Therapie

Animal-Assisted-Therapy

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Hundegestützte, systemische Therapie am CSV

 

Der Einsatz von Tieren in der Therapie hat eine lange Tradition. Bereits Ende des 18.Jahrhunderts wurde versucht, Tiere für therapeutische Zwecke zu verwenden. V.a. die USA, Australien und England waren stets Vorreiter. In Europa ist die tiergestützte Therapie erst in den letzten 25 Jahren akzeptiert und anerkannt worden. Aber bereits seit Mitte des letzten Jahrhunderts wird die praktische Arbeit des AAT immer wieder durch wissenschaftliche Studien untermauert.

Zunächst möchte ich einen Überblick über die tiergestützten Maßnahmen und deren Begrifflichkeiten in Deutschland geben. In Anlehnung an die „Delta Society“ werde diese in drei Bereiche untergliedert: Animal-Assisted-Activities (AAA), Animal-Assisted-Pedagogy (AAP) und Animal-Assisted-Therapie (AAT). (Röger-Lakenbrink 2006, 26ff): Die AAA werden im deutschsprachigen Raum allgemein als „Tiergestützte Fördermaßnahmen“ bezeichnet und von ehrenamtlichen Personen, überwiegend in organisierten Tierbesuchsprogrammen, z. B. in Seniorenheimen, durchgeführt, um das allgemeine Wohlbefinden der Menschen zu fördern.

Die AAP, also die tiergestützte Pädagogik, wird als pädagogische Fördermaßnahme verstanden, die von Pädagogen, Sozialarbeitern etc. eingesetzt wird. Hierunter fällt beispielsweise die Hundegestützte Pädagogik in der Schule (Hupäsch), welche ich auch an unserer Schule derzeit in einer 6.Klasse durchführe.

Im Gegensatz dazu arbeitet bei der AAT ein ausgebildeter Therapeut, Arzt etc. mit seinem ausgebildeten Therapietier im Team zusammen.

Das zielorientierte therapeutische Arbeiten mit dem Hund im Team erfolgt in Kleingruppen oder im Einzelunterricht, wobei dieser viel effektiver ist. Hier steht die gelenkte Interaktion zwischen Kind und Hund im Vordergrund, bei der der Hund auf bestimmte Anweisungen des Therapeuten bzw. des Kindes gezielt reagieren muss, um ein bestimmtes „Förderziel“ zu erreichen. (Vanek-Gullner 2007, 39ff)

Die Therapieziele werden bei uns nach Absprache im Team getroffen und beständig überprüft. Sie beinhalten hauptsächlich Bereiche der emotionalen und sozialen Entwicklung aber beispielsweise auch Bereiche der Kommunikation (nonverbal wie verbal) und der Wahrnehmung. Wichtig ist hierbei die freiwillige Teilnahme des Kindes, denn nur so kann sich eine Beziehung zwischen Kind und Hund und somit auch zum Therapeuten entwickeln. Frau Greiffenhagen (Greiffenhagen 1991, 27f) schreibt hierzu: „Die vom Menschen empfundene tierische Du-Evidenz äußert sich in vielen Erscheinungsformen, die eines gemeinsam haben: Das Tier wird als Genosse gesehen, dem personale Qualitäten zugeschrieben werden […] Die Du-Evidenz ist die unumgängliche Voraussetzung dafür, dass Tiere therapeutisch und pädagogisch helfen können.“

Viele Studien belegen die Effektivität des AAT, v.a. mit Kinder und Jugendlichen mit emotionalen und sozialen „Behinderungen“. Eine der neuesten Studien der Universität Wien konnte beispielsweise nachweisen, dass v.a. Kinder mit Bindungsstörungen vom Umgang mit einem Hund profitieren. Die Fähigkeiten die Gefühle eines Gegenübers zu interpretieren oder zumindest wahrzunehmen, als wesentlicher Teil unserer zwischenmenschlichen nonverbalen Kommunikation, konnte durch den Umgang mit Hunden nachweislich verbessert werden. Diese Fähigkeit, Emotionen zu „lesen“ und zu „zeigen“, sehe ich als einer der wichtigsten Bausteine unserer Arbeit am CSV. Diverse Studien belegen weitere Erfolge des AAT v.a. im Bereich der Stärkung des Selbstwertgefühles, der allgemeinen sozialen Kompetenzen, des Sozialverhaltens der Kinder (auch im Umgang untereinander), sowie ihrem sprachlichen Ausdrucksvermögen und der motorischen Fähigkeiten. Lia- der Therapiehund - dient v.a. auch als Türöffner zur Beziehung zum Therapeuten.

Therapiestunden mit Lia sehen ganz individuell unterschiedlich aus.

Stets stehen jedoch die Wünsche des Kindes im Vordergrund: Vom Gassi gehen, Tricks einüben, Spielen über Kuscheln und Pflegen. Lia ist aber auch einfach mal nur Seelentrösterin und eine gute Zuhörerin.

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Angelika Seidelmann

(Studienrätin für Förderschulen,

systemische Therapeutin- DGSF)